Bewegungstherapie

Medizinische Reha bei Fatigue (CrF)

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Im ers­ten Teil der Arti­kel­se­rie zur Tumo­r­as­so­zi­ier­ten Fati­gue (engl. Can­cer Rela­ted Fati­gue, CrF) haben wir gele­sen, was die CrF aus­macht und wie die Sym­pto­me sich äußern, dass eine Auf­klä­rung der Pati­en­ten über die­ses Beschwer­de­bild durch die behan­deln­den Ärz­te oft lücken­haft und die Behand­lungs­si­tua­ti­on ins­ge­samt lei­der noch recht unzu­rei­chend ist. In die­sem Teil geht es um die Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten, die eine onko­lo­gi­sche Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lung für Betrof­fe­ne bie­ten kann.

Fati­gue ist lei­der ein weit ver­brei­te­tes Pro­blem, das Pati­en­ten mit einer onko­lo­gi­schen Erkran­kung stark belas­tet; zugrun­de liegt ein mul­ti­fak­to­ri­el­les Gesche­hen, bei dem auch ein Teu­fels­kreis aus kör­per­li­cher Inaktivtät/Schonung mit wei­te­rer Zunah­me der Erschöp­fung eine Rol­le spielt. Um einer Chro­ni­fi­zie­rung der Fati­gue vor­zu­beu­gen, ist es daher wich­tig, mög­lichst früh­zei­tig mit geeig­ne­ten The­ra­pien zu beginnen ​[3, 8]​ – am bes­ten schon wäh­rend einer lau­fen­den Krebs­be­hand­lung!
Spä­tes­tens aber in einer onko­lo­gi­schen Reha­bi­li­ta­ti­on kön­nen mul­ti­mo­da­le Kon­zep­te zur Behand­lung der CrF ange­bo­ten wer­den. Hier­zu gehört in der Regel eine adäqua­te, an der kör­per­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit der Pati­en­ten ange­pass­te Sport- und Bewe­gungs­the­ra­pie zur mög­lichst nach­hal­ti­gen Stei­ge­rung der kör­per­li­chen Akti­vi­tät, aber auch zur Reduk­ti­on der psycho-mentalen Aus­wir­kun­gen der Fati­gue. Zusätz­lich wer­den hier­zu typi­scher Wei­se auch Ent­span­nungs­übun­gen wie Yoga, Auto­ge­nes Trai­ning oder Medi­ta­tio­nen ange­bo­ten. Psycho-edukative Vor­trä­ge und Gesprächs­krei­se sol­len das Ver­ständ­nis über die Gesund­heits­stö­rung erhö­hen, gesund­heits­för­der­li­ches Ver­hal­ten anre­gen und die Krank­heits­ver­ar­bei­tung för­dern. Ver­an­stal­tun­gen aus dem Bereich der Ernäh­rungs­the­ra­pie run­den das Ange­bot ab ​[6]​. Dass die­se Kon­zep­te zu einer nach­hal­ti­gen Ver­bes­se­rung [unter ande­rem auch] der Fatigue-Symptomatik – weit über die Dau­er der Reha­bi­li­ta­ti­on hin­aus – füh­ren, etwa was die kör­per­li­che Akti­vi­tät, Lebens­qua­li­tät, Depres­si­ve Ver­stim­mung und Fatigue-Symptomatik angeht, konn­te zwi­schen­zeit­lich, zumin­dest für ein­zel­ne The­ra­pie­mo­da­li­tä­ten und Krank­heits­en­ti­tä­ten, auch in Stu­di­en gezeigt werden ​[1, 2, 4, 5]​.

Den Grund­sät­zen der Sozi­al­ge­setz­ge­bung fol­gend, wer­den Leis­tun­gen zur medi­zin­si­chen Reha­bi­li­ta­ti­on aller­dings nur auf Antrag erbracht. Umso wich­ti­ger ist es, dass Pati­en­ten von ihren behan­deln­den Ärz­tin­nen und Ärz­ten in den onko­lo­gi­schen Kran­ken­häu­sern und Pra­xen über die Mög­lich­keit einer medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on recht­zei­tig infor­miert und ggfs. bei der Antrag­stel­lung unter­stützt wer­den. Lei­der bestehen hier – Stu­di­en zufol­ge – immer noch Vor­be­hal­te, bzw. diver­se „Schnitt­stel­len­pro­ble­ma­ti­ken“, so dass sich Pati­en­ten häu­fig über die Mög­lich­kei­ten der Reha nicht aus­rei­chend infor­miert füh­len, bzw. trotz ent­spre­chen­den Bedarfs nicht den Weg in einer Reha­bi­li­ta­ti­on finden ​[7]​.

Gra­fik 1: Vie­le wis­sen­schaft­li­chen (S3-) Leit­li­ni­en beinhal­ten Emp­feh­lun­gen zur Durch­füh­rung einer Rehabilitation ​[10]​.

Emp­feh­lun­gen zur Durch­füh­rung einer Reha­bi­li­ta­ti­on sind eigent­lich bereits in vie­len Behand­lungs­leit­li­ni­en verankert ​[10]​. Wenn man sich die Evi­denz­le­vel, also die „wis­sen­schaft­li­che Güte“ der Emp­feh­lun­gen ansieht (sie­he Gra­fik 1), zeigt sich jedoch ein Dilem­ma der Reha­bi­li­ta­ti­on: häu­fig feh­len ‚knall­har­te‘ Stu­di­en­da­ten zur Wirk­sam­keit von Reha. Die­se sind auch nicht leicht zu erlan­gen – denn letzt­lich bräuch­te es dafür (ran­do­mi­sier­te) Ver­gleichs­stu­di­en „Reha“ ver­sus „non-Reha“ für jede ein­zel­ne Erkran­kungs­art. Sol­che Stu­di­en sind jedoch aus recht­li­chen und ethi­schen Grün­den kaum durch­führ­bar; denn ohne­hin hat schon heu­te jeder Pati­ent nach dem Sozi­al­ge­setz­buch (SGB V, SGB VI, SGB IX) das ver­brief­te Recht auf eine medi­zi­ni­sche Reha­bi­li­ta­ti­on!

Außer­dem lie­gen, wie oben erwähnt, bereits eine Viel­zahl ein­zel­ner Stu­di­en vor, aus denen sich eine gene­rel­le Wirk­sam­keit der in der Reha ein­ge­setz­ter Behand­lun­gen gut begrün­det ablei­ten lässt. Dar­über hin­aus ver­fü­gen die Kos­ten­trä­ger von Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men – allen vor­an die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) – im Zusam­men­hang mit einer umfas­sen­den exter­nen Qua­li­täts­kon­trol­le und Nach­be­fra­gung von Reha­bil­tan­den über eine gute Daten­ba­sis über die Struktur‑, Prozess- und Ergeb­nis­qua­li­tät der knapp 120 onko­lo­gi­schen Reha­bi­li­ta­ti­ons­kli­ni­ken in Deutschland ​[9]​. Hier­aus geht her­vor, dass z.B. in 2015 immer­hin ca. 81% der Pati­en­ten die Reha­bi­li­ta­ti­on ins­ge­samt als erfolg­reich beschrei­ben (sie­he Gra­fik 2).

Gra­fik 2: Ergeb­nis der DRV-Rehabilitandenbefragung 2014–2015

Im Sin­ne der Nach­hal­tig­keit von Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men bestehen auch im Nach­gang der Reha diver­se Mög­lich­kei­ten zur Teil­nah­me an ambu­lan­ten Trainings-Programmen wie etwa dem Reha­sport oder der (inten­si­vier­ten) Reha-Nachsorge ​[11]​. Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung bie­tet seit eini­ger Zeit ein Such- und Infor­ma­ti­ons­por­tal zu die­sem The­ma an.

Im nächs­ten Teil der Serie wird es etwas kon­tro­ver­ser zuge­hen. Wir bli­cken etwas über den Tel­ler­rand auf die Dia­gno­se des chron­si­chen Fati­gue Syn­droms und die ver­schie­de­nen Spe­ku­la­tio­nen, sowie teils „unkon­ven­tio­nel­le“ Behandlungsansätze…

Literatur und Quellen

  1. 1.
    Bau­mann FT, Bieck O, Obers­te M et al (2016) Sus­tainable impact of an indi­vi­dua­li­zed exer­cise pro­gram on phy­si­cal acti­vi­ty level and fati­gue syn­dro­me on breast can­cer pati­ents in two Ger­man reha­bi­li­ta­ti­on cen­ters. Sup­port Care Cancer:1047–1054. https://doi.org/10.1007/s00520-016‑3490‑x
  2. 2.
    Hart­mann U, Ring C, Reuss-Borst MA (2004) Ver­bes­se­rung der gesund­heits­be­zo­ge­nen Lebens­qua­li­tät bei Brust­krebs­pa­ti­en­tin­nen durch sta­tio­nä­re Reha­bi­li­ta­ti­on. Med Klin:422–429. https://doi.org/10.1007/s00063-004‑1050‑5
  3. 3.
    Mishra SI, Sche­rer RW, Sny­der C et al (2012) Exer­cise inter­ven­ti­ons on health-related qua­li­ty of life for peo­p­le with can­cer during acti­ve tre­at­ment. Coch­ra­ne Data­ba­se of Sys­te­ma­tic Reviews. https://​doi​.org/​1​0​.​1​0​0​2​/​1​4​6​5​1​8​5​8​.​c​d​0​0​8​4​6​5​.​p​ub2
  4. 4.
    Reuss-Borst M (2013) Indi­vi­dua­li­sier­te (per­so­na­li­sier­te) The­ra­pie – jetzt auch in der Reha­bi­li­ta­ti­on? Dtsch med Wochenschr:879–879. https://doi.org/10.1055/s‑0033–1343121
  5. 5.
    Reuss-Borst M (2019) Sport und Bewe­gungs­the­ra­pie in der onko­lo­gi­schen Reha­bi­li­ta­ti­on. Im Fokus Onko­lo­gie 22:48–52
  6. 6.
    Rick O, Dau­els­berg T, Kalusche-Bontemps E‑M (2017) Onco­lo­gi­cal Reha­bi­li­ta­ti­on. Oncol Res Treat:772–777. https://​doi​.org/​1​0​.​1​1​5​9​/​0​0​0​4​8​1​709
  7. 7.
    Schmidt H, Beut­ner K, Berndt U et al (2016) Die Über­lei­tung onko­lo­gi­scher Pati­en­ten aus der Akut­ver­sor­gung in die Reha­bi­li­ta­ti­on: Ergeb­nis­se der Stu­die OPTIREHA. GMS Onko­lo­gi­sche Reha­bi­li­ta­ti­on und Sozi­al­me­di­zin; 5:Doc06. https://​doi​.org/​1​0​.​3​2​0​5​/​O​R​S​0​0​0​028
  8. 8.
  9. 9.
    (2019) Reha-Bericht 2019. Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV), Berlin
  10. 10.
    Leit­li­ni­en­pro­gramm Onko­lo­gie. https://​www​.leit​li​ni​en​pro​gramm​-onko​lo​gie​.de/​h​o​me/. Zuge­grif­fen: 20. Mai 2021
  11. 11.
    Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) – Reha­bi­li­ta­ti­ons­nach­sor­ge. https://​www​.nach​der​re​ha​.de/. Zuge­grif­fen: 18. Mai 2021

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