Vor rund 15 Jahren habe ich meine ersten Schritte in der Astrofotografie gemacht. Die Bildbearbeitung erfolgte damals überwiegend mit Photoshop und einer Vielzahl spezieller Astro-Skripte. Seitdem hat sich enorm viel getan: Heute stehen leistungsfähige, teils KI-gestützte Programme zur Verfügung, die speziell für die Bearbeitung astronomischer Aufnahmen entwickelt wurden. Mit Siril und GraXpert existieren inzwischen sogar sehr mächtige Open-Source-Lösungen.
Auch meine eigenen Kenntnisse haben sich in dieser Zeit natürlich weiterentwickelt. Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschlossen, einige meiner damaligen Rohdaten erneut zu bearbeiten, um zu sehen, welches Potenzial sich mit moderner Technik heute daraus herausholen lässt.
Mein Workflow – vom Teleskop zum fertigen Bild
Fotografie ist eine Möglichkeit, einen besonderen Augenblick festzuhalten. Solche einmaligen Ereignisse in unserem Leben können aber schnell vergangen sein—es geht darum, im richtigen Moment den Auslöser zu drücken! Astronomische Ereignisse spielen sich hingegen in ganz anderen Zeiträumen ab. Für unser Auge (und die Kamera) erscheint der Himmel daher oft statisch. Das hat den Vorteil: In der Astrofotografie kann man sich viel Zeit lassen—die Sterne laufen so schnell nicht davon.
Astronomische Bilder bestehen heutzutage aus vielen (mehr oder minder identischen) Einzelaufnahmen, jede kann zwischen 10 Sekunden und mehreren Minuten lang sein. In der Summe sammelt man so über die Nacht nicht selten Belichtungszeiten von mehreren Stunden. Für besonders brillante Aufnahmen lohnt es sich manchmal, das gleiche Objekt über mehrere Nächte hinweg zu fotografieren.
Stacking und Beschneiden
Am Computer werden die Einzelaufnahmen eines Himmelsobjektes zu einem Summenbild verrechnet—man spricht vom sogenannten „Stacking“. Durch ausgefeilte Algorithmen wird das immer vorhandene Bildrauschen reduziert und das fotografierte Objekt erscheint mit jeder weiteren Aufnahme klarer und detailreicher. Gleichzeitig verstärkt sich das Signal der schwachen Strukturen, die in einer einzelnen Aufnahme kaum sichtbar wären.
Durch die Überlagerung entstehen jedoch oft an den Bildrändern unschöne Artefakte (weil die Bilder nicht zu 100 % passgenau sind). Deshalb wird das Bild im nächsten Schritt etwas beschnitten, sodass nur der saubere, gleichmäßig belichtete Bereich übrig bleibt.
Astrometrisches Lösen und spektrale Farbkorrektur
Bevor ich mit der Bildbearbeitung fortfahre, löse ich das Bild zunächst astrometrisch—das heißt, ich bestimme die genaue Himmelsposition und Ausrichtung der dargestellten Objekte. Das ist praktisch, wenn ich später mehrere Nächte, verschiedene Kameras oder Ergänzungsdaten (z. B. aus anderen Aufnahmen) exakt übereinanderlegen will.
Bei der spektralen Farbkorrektur geht es darum, die Farben des Bildes möglichst natürlich oder gezielt hervorhebend darzustellen. Kameras und Filter reagieren unterschiedlich auf Lichtfarben; außerdem verfälschen Atmosphärenschichten und Lichtverschmutzung die Farbbalance. Mit sanften Korrekturen gleichen ich diese Effekte aus und bringe typische Farben—zum Beispiel das rötliche Leuchten von Wasserstoffnebeln—an die richtige Stelle, ohne unnatürlich zu wirken.
Entrauschen

Digitales Bildrauschen – ein ständiger Begleiter
Technischer Limitationen der Digitalkameras sind daran schuld, dass digitales Bildrauschen zu unerwünschten Helligkeits- oder Farbabweichungen führt, die meist als feines Körnchenmuster oder als bunte Pixel, besonders in dunklen Bildbereichen sichtbar sind. In der Astrofotografie fällt Bildrauschen besonders auf, weil sehr lichtschwache Objekte aufgenommen werden.
Rauschen ist der ständige Begleiter der Astrofotografie. Nach dem Stacking sind viele Rauschanteile bereits reduziert, aber oft braucht das Bild noch zusätzliche Entrauschung. Moderne Entrauschungs-Tools unterscheiden zwischen feinem Detailrauschen und echten Strukturen. Ich arbeite deshalb schrittweise: erst grobes Entrauschen in den sehr dunklen Bereichen, dann vorsichtigere Verfahren auf mittleren Tonwerten, damit keine feinen Nebelstrukturen verloren gehen. Ziel ist ein sauberer Hintergrund bei Erhalt echter Details.
(optional) Sterne entfernen
Manchmal stören helle oder übergroße Sterne die Wahrnehmung feiner Nebelstrukturen. In solchen Fällen entferne ich die Sterne temporär mit speziellen Werkzeugen—das erlaubt, den Nebel zu bearbeiten (z. B. lokale Kontrastverbesserung oder Strukturverstärkung), ohne dass die Sternpunkte das Ergebnis verfälschen. Dieser Schritt ist optional und wird nur eingesetzt, wenn er dem Bild insgesamt nützt.
Strecken der Bilddaten
Die meisten Rohdaten sind linear, das heißt: Helligkeiten verhalten sich proportional zur empfangenen Lichtmenge. Unser Auge nimmt Helligkeiten jedoch nicht linear wahr, und viele Details in den dunklen Bereichen bleiben so verborgen. Beim „Stretchen“ erhöhe ich gezielt die Helligkeit in den dunklen Tonwerten (ohne die Lichter auszufressen), sodass Konturen, Farben und Kontraste sichtbar werden. Das ist ein kreativer wie technischer Schritt: Man „kitzelt“ die vorhandenen Informationen hervor, ohne neu zu erfinden. Wichtig ist, die hellen Bereiche zu schützen, damit Sterne und Kernpartien nicht ausbrennen.
(optional) Sterne wieder hinzufügen
Wenn ich die feinen Nebelstrukturen bearbeitet habe, setze ich die Sterne wieder ein—oft aus einer separaten, weniger bearbeiteten Kopie des Bildes oder aus einer gezielt erstellten Sternenebene. Dabei achte ich auf natürliche Größen und Helligkeiten, damit das Gesamtbild harmonisch wirkt. So bleiben sowohl die Details des Nebels als auch die Ästhetik des Sternfeldes erhalten.
Letzter Schliff
Im letzten Schritt geht es um Feinarbeit: Kontrast, Sättigung, Farbton und lokale Intensität werden angepasst. Das ist größtenteils Geschmackssache—ich verfolge dabei zwei Ziele: erstens die wissenschaftlich-plausible Wiedergabe (falls gewünscht), zweitens eine ästhetische Balance, die das Bild für Betrachter ansprechend macht. Häufig nehme ich kleine lokale Korrekturen vor (z. B. Nachbelichtung in dunklen Kanten, leichte Klarheitserhöhung in strukturarmer Fläche), entferne verbleibende Artefakte und kontrolliere das Bild in verschiedenen Ansichten (Fullsize, Webgröße), bevor ich exportiere.
Zum Schluss speichere ich mehrere Versionen: eine hochaufgelöste Datei für Druck, eine optimierte Datei fürs Web und oft eine „Dokumentations“-Version mit allen Arbeitsschritten, falls ich später etwas nachbearbeiten möchte.
Andromeda-Galaxie
Die Andromeda-Galaxie ist eines der beliebtesten Motive in der Astrofotografie. Immer wieder habe ich mich mit neuer Hardware und Software an Aufnahmen versucht. Die neue Aufnahme (links) wurde mit dem smarten Teleskop Seestar S30 angefertigt und direkt im Gerät vorverarbeitet. Die Nachbearbeitung lief in der dazugehörigen Smartphone-App.


Herznebel, mehrfach neu bearbeitet
Die ursprünglichen Rohdaten des Herznebels wiesen deutliche optische Probleme auf. Neben ausgeprägten Gradienten war insbesondere der Abstand der Korrekturlinse nicht korrekt eingestellt, was zu stark verzogenen Sternen im Randbereich führte.
Eine erste Verbesserung brachte der Einsatz sogenannter Flats zur Bildfeldkorrektur. Die Gradienten ließen sich dadurch deutlich reduzieren, die Sternverzerrungen blieben jedoch bestehen.

Mit heutigen Methoden war es mir nun möglich, auch die noch vorhandenen Abbildungsfehler, zumindest weitgehend, mithilfe ausgefeilter mathematischer Algorithmen nachträglich in der Software zu korrigieren. Außerdem habe ich in der aktuellen Bearbeitung eine spektrometrische Farbkalibrierung vorgenommen, um eine möglichst realitätsnahe Farbwiedergabe zu erreichen.
2026 Neubearbeitung mit Siril
In 2020 habe ich die Originaldaten des Herznebels bereits mit der Software AstroArt 7 neu bearbeitet. Dennoch wollte ich aktuell versuchen, was sich mit neuen, KI-gestützten Methoden der Rauschunterdrückung und Bildschärfung noch herausholen lässt. Unter anderem habe ich die Sterndarstellung verbessert und die Sterngröße reduziert. Die Farben wurden spektrometrisch korrigiert und deutlich weniger (künstlicher) Kontrast angewendet, um die zarten Details nicht versehentlich zu unterdrücken. Am Ende bleibt es wohl auch eine Frage des ästhetischen Geschmacks, welches Bild man als gelungener empfindet. Meine Familie findet mehrheitlich die aktuelle Neubearbeitung (rechts) am besten.

