Wer mich kennt, der kann vermutlich bestätigen, dass ich ein hoffnungsloser Perfektionist bin – selbst, wenn es um die Ästhetik ganz alltäglicher Dinge und vermeintlicher Kleinigkeiten geht. Daher war es für mich selbstverständlich, dass ich für meine neue ärztliche Praxis ein eigenes Briefpapier bekomme, dessen individuelles Design sich positiv hervortut. In meinem Logo sollte man mich gestalterisch auch wiedererkennen. Die kommerziell erhältlichen Designpakete, von denen ich förmlich tausende durchforstete, erschienen mir leider ‚uninspiriert‘ und zu generisch, so dass ich mich entschloss, selbst kreativ tätig zu werden.
Die Designsprache meines zukünftigen Corporate Designs sollte meine klinischen Schwerpunkte und fachlichen Kompetenzen (Onkologie, Hämatologie, Innere Medizin) darstellen und für die Zukunft auch leicht anzupassen sein – etwa wenn in Zukunft noch zusätzliche Praxis-Schwerpunkte hinzu kämen.
Auch die heutzutage übliche und notwendige Vernetzung mit anderen Kollegen, der Netzwerkgedanke insgesamt, sollte irgendwie dargestellt werden. Die Formen und Schriftarten sollten geradlinig, nüchtern-wissenschaftlich, eher abstrakt und schnörkellos wirken; farblich unaufgeregt, Kompetenz ausstrahlend.
Erste Versuche

Auf Grundlage der oben genannten Überlegungen entwickelte ich die Idee von untereinander vernetzten Themenblasen oder ‑waben. Einer der ersten groben Entwürfe ist rechts dargestellt. Schnell zeigte sich aber, dass die so entstandenen netzartigen Grafiken zu großflächig sein mussten, um eine vernünftige Wirkung zu entfalten. So reduzierte ich die Waben, vereinfachte die geometrischen Muster, auch die Farbwahl beschränkte ich schnell auf wenige, klare (Grund-) Farben.
Die Idee der Waben beibehaltend konzentrierte ich mich bald auf nur noch vier Bienenwaben, die mit Piktogrammen gefüllt werden sollten – etwa eine rote Wabe mit rotem Blutstropfen, der die Hämatologie versinnbildlichte.
Leider ist von diesem Designstadium nur eine Fotografie übrig; diese entstand, als der Computer nach stundenlanger Design-Arbeit plötzlich abstürzte … und ich war nicht sicher, ob ich die Grafik in der Zwischenzeit wirklich abgespeichert hatte! Also hatte ich Sorge, dass mein ganzes Design verloren sein könnte; daher habe ich wenigstens den Bildschirm abfotografiert, um die Grafik zur Not neu aufbauen zu können.
Dieser „Screenshot“ zeigt, dass in diesem Stadium bereits alle späteren Elemente des endgültigen Logos im Grunde schon vorhanden waren.

Die Datei ließ sich übrigens zum Glück noch retten. Allerdings steckte ich alsbald in einer kreativen Sackgasse, da mir einfach die unterschiedlichen Farben nicht wirklich gefielen und mir zunächst keine Symbole einfallen wollten, die „Onkologie“ und „Innere Medizin“ gut verkörperten. Für die vierte Wabe fand ich noch gar keinen Inhalt.
Die finale Form entsteht

Für den nächsten Entwurf behielt ich zwar die vier Waben, die Farben wurden aber noch weiter reduziert. Die orangefarbene Wabe rückte stark in den Hintergrund und wurde nun von den anderen Waben fast vollständig verdeckt. Die Idee dazu kam mir aus reiner Verzweiflung, weil ich immer noch nichts mit der noch leeren vierten Wabe anzufangen wusste; durch den „Kulissen-Effekt“ entstand aber durch einen glücklichen Zufall eine interessante neue Form, die an IgG-Antikörper erinnerte, wie sie in der modernen, zielgerichteten Krebs-Immuntherapie nicht mehr wegzudenken sind.

Die beiden grünen Waben stehen für die Fachgebiete Innere Medizin (mit dem Äskulap-Stab) und Hämatologie (mit dem Blutstropfen). Die blaue Wabe symbolisiert eine Krebszelle und zeigt die sehr markanten Form eines apoptotisch zerfallenen Zellkerns – das heißt, die Krebszelle ist am Absterben!
Ergänzt wird das grafische Logo in der Regel durch eine graue vertikale Trennlinie und den Schriftzug mit Namen und meiner Facharztbezeichnung. So ziert es seit 2015 meinen Briefkopf, Visitenkarten, Rezeptvordrucke… und seit neuestem auch meine Homepage :)
Die Schriftart Myriad Pro
Als Schrift für meine Druckerzeugnisse habe ich mich für die Myriad Pro Familie entschieden. Diese Schriften wurden in den 1990ern von den Designern Robert Slimbach und Carol Twombly für die Firma Adobe entworfen. Myriad war die erste serifenlose Type für eine neue Reihe von „Adobe Originals“ Schriftarten. Formal zählt die Schrift zur Gruppe der ‚Groteskschriften‘, oder auch ‚humanistische Schriftarten‘ genannt. Sie weist deren klassetypischen Eigenschaften wie subtile Strichstärkenunterschiede, über die Höhe der Großbuchstaben hinausreichende Oberlängen der Kleinbuchstaben und einen ‚menschlichen‘ Eindruck, der sich aus dem Verzicht auf starre Konstruktion aus geometrischen Formen ergibt1. Weitere Informationen zu der äußerst beliebten Schriftart finden sich auch bei fontblog.de. Die Schriftarten „Myriad Web“ und „Myriad Pro Black Condensed“ setze ich übrigens seit 2020 auch auf meiner Homepage ein. Für meine bunten Hauptüberschriften habe ich mich aber für eine etwas verspieltere serifenlose Schrift, die „Titillium Web“ entschieden.
Hier nochmals das endgültige Logo mit all seinen Elementen:
Quellen und Anmerkungen:
- Zitat von der Seite schriftgestaltung.com↑
