„Wenn Du auf einer einsamen Insel stranden würdest – was wären die zehn Musikalben, die Du gerne dabei hättest?“. So oder so ähnlich lautet eine auf Social Media beliebte Frage; eine Herausforderung, der ich mich im vorliegenden Artikel ebenfalls stellen möchte.
Schon länger arbeite ich an einem Projekt zum „Soundtrack meines Lebens“, in der ich eine kommentierte, biographisch sortierte Liste von Künstlern und Musikstücken ausführlich vorstellen möchte, die mich über die Jahre hinweg begleitet haben; eine Artikelserie, die insofern auch viele persönliche Einblicke gewähren wird. Da sich die Veröffentlichung auf vorerst unbestimmte Zeit verschiebt – ich bin mit Form und Inhalt noch nicht zufrieden – möchte ich erst Mal, als kleinen Teaser, eine Liste von Musikalben vorstellen, die ich auf die sprichwörtliche einsame Insel mitnehmen würde.

Porcupine Tree – Anesthetize Live (2010)
Eine Band, die sich ungern auf ein Genre festnageln lässt – irgendwo zwischen Prog-Rock, Folk und Heavy-Metal. Eine preisgekrönte, tolle Live-Performance, die den ohnehin herausragenden Stücken – vorwiegend des Albums „Fear of a Blank Planet“ – nochmals eine besondere Energie gibt. Vor allem der unvergleichliche, präzise und brilliant-musikalische Stil des Schlagzeugers Gavin Harrison fasziniert mich immer wieder.
Das Album thematisiert u.a. Krankheiten wie Depression und ADHS; die „Betäubung negativer Gefühle“ durch Missbrauch von Medikamenten / Drogen (siehe Albumcover), sowie die in der technologischen Informationsflut nicht selten drohende zunehmende Entfremdung und soziale Isolation. Mein Hörtipp ist gleich der Titelsong „Anesthetize“.

Marillion – Clutching at Straws (1987)
Es sollte, wie wir inzwischen wissen, das letzte Album der Band mit Sänger Fish werden und ist bis heute ein ungeliebtes Stiefkind der Musiker – vermutlich, weil es sie an eine schmerzliche Zeit erinnert: Fish war, wie man hört, schwer alkoholkrank und völlig überfordert mit dem kommerziellen Erfolg der Band nach ihrem #1‑Hit „Kayleigh“. Aber vielleicht gerade daher enthält das Album die m.E. eindringlichsten, meist autobiografische Stücke, in der nicht selten besagter Alkoholkonsum und dessen Folgen besungen wird. Auf dem von Mark Wilkinson gestalteten Cover sieht man passend dazu eine Bar, an der sich der gebrochene Protagonist des Albums mit diversen Promis (auch Alkoholiker?) umgeben hat. Hörtipps: „Slainte Mhath“ und „Incommunicado“.

The Corrs – Unplugged (2011)
Meines Erachtens beinhaltet das Album eine der besten Shows, die das MTV-unplugged Format jemals hervor gebracht hat. Die Songs der extrem talentierten (und unverschämt gut aussehenden) irischen Geschwister sind eine gefällige Mischung als irischem Folk und eingängigem Pop. Hörtipps sind „Toss the Feather“ oder das Hendrix-Cover „Little Wing“. Letzteres gefällt mir, es mag sich wie Frevel anhören, besser als das Original!

The Pineapple Thief – Your Wilderness (2019)
Die Band hatte ich schon länger auf dem Schirm. Bei ‚Your Wilderness‘ wirkte – neben anderen Gastmusikern – auch mein Idol, der Ausnahme-Drummer Gavin Harrison, mit. Entstanden sind in Kooperation ein paar echte Meisterwerke. Gavin wurde in der Folge ein festes Mitglied der Band. Das Album zeichnet sich durch meist melancholisch-ruhige, komplex arrangierte und emotional eindringliche Songs aus. Hörtipps: „The Final Thing on My Mind“ und der Opener „In Exile“.

Adele – Live at the Royal Albert Hall (2011)
Die Songs von Adele verursachen bei mir regelmäßig eine emotionale Achterbahnfahrt und Gänsehaut. Dass es der Künstlerin gelingt, die Energie der Songs auch live auf die Bühne zu bringen, zeugt von ihrem großen Talent. Hörtipps: „Set Fire To The Rain“, „Rolling in the deep“.

Pink Floyd – The Division Bell (1994)
Das Album machte für mich das künstlerische Werk von Pink Floyd erstmals in zeitgemäßer Form „zugänglich hörbar“. Da ich wirklich jedes Stück des Albums genießen kann, ist es ein würdiger Begleiter für die Insel! Die auf dem Cover dargestellten Gesichter sind übrigens keine CGI, sondern vom Künstler Storm Thorgerson geschaffene riesige Skulpturen! Hörtipps: „What Do You Want From Me“, „Keep Talking“.

Transatlantic – SMPT:e (2000)
Das Debut-Album der „Superband“ par excellence, die sich zusammensetzte aus Vertretern so ziemlich jeder Prog-Band, die in den 90er Jahren etwas zu melden hatte. Insofern bietet das Album einen guten stilistischen Überblick über die ProgRock-Szene dieser Zeit. Mein Hörtipp sind auf dem Album die kürzesten Tracks: „Mystery Train“ und das langsame, spirituelle Lied „We All Need Some Light“.

Bruce Hornsby & The Range – The Way It Is (1986)
Bruce Hornsby hatte sich in der Musikszene schon lange einen Namen als Songwriter für andere Künstler – z.B. Huey Lewis – gemacht, aber mit dem Album und dem gleichnamigen Titel-Track „The Way It Is“ gelang ihm weltweit endlich selbst ein kleiner Durchbruch. Hörtipp: „Mandolin Rain“, „On the Western Skyline“.

Coldplay – A Head Full of Dreams (2015)
Coldplay gilt für viele gleichzeitig als Hitschmiede und (negativer) Inbegriff des Mainstreams. Der weltweite Erfolg der Künstler kommt aber m.E. nicht von ungefähr – so treffen sie offenbar stets den Zeitgeist und Geschmack der Menschen; und sie fackeln live regelmäßig wahre Spektakel für alle Sinne ab – natürlich immer mithilfe modernster Technik. Hörtipp: „Adventure of a Lifetime“. Fun Fact: dieses sehr gut gemachte Musikvideo wurde inzwischen über 1.4 Mrd. (=1400 Millionen) Mal bei YouTube angeklickt.

Genesis – Genesis (1983)
Genesis war das bereits zwölfte Album der Band; allerdings erst das vierte nach dem Ausstieg von Peter Gabriel. Mit dieser Platte, die (gemeinsame) Kompositionen aller drei Bandmitglieder enthält, hat sich die Band m.M.n. wirklich neu gefunden. Hörtipps: „Silver Rainbow“ folgt noch dem alten musikalischen Stil, in „That’s All“ klingt schon der neue Stil der Band durch. Das Artwork, geschaffen vom englischen Künstler Bill Smith, zeigt zufällig drapierte Steckspielzeuge des einjährigen Sohnes des Fotografen.