Mittlerweile 60 Jahre ist es her, da wurde am 14. September 1947 mit der ersten Aula-Sendung ein ganz neues Sendeformat über den Äther geschickt: Geisteswissenschaftler von Rang und Namen sollten dreißig Minuten ungestört und ohne Unterbrechnungen oder steuernde Eingriffe von Journalisten reden dürfen. In eigens produzierten Vorträgen wendeten sie sich allsontaglich an jeden einzelnen Hörer zu Hause, so „als säße Herr Professor mit am Frühstückstisch“ und „erkläre die Welt“.
Die Erfinder des Sendeformats wollten die Ausstrahlung auch als bewußtes politisches Signal in der Nachkriegszeit gegen die nationalsozialistische Einheitspropaganda verstanden wissen. In den mittlerweile über 3000 Sendungen kamen geistige Größen wie Theodor Adorno, Ernst Bloch oder Alexander Mitscherlich zu Wort, so dass sich inzwischen ein unschätzbares Archiv deutscher Geistesgeschichte der letzten Jahrzehnte entwickelt hat.
Anlässlich des sechtzigsten Jubiläums strahlt der SWR2 an den folgenden drei Sonntagen eine Collage der bemerkenswertesten Sendungen aus. Die Reihe beginnt am 16.09.07 um 8:30 Uhr mit einem Vortrag des Frankfurter Philosophen und Soziologen Theodor W. Adorno aus dem Jahre 1959 zum Thema „Kultur und Verwaltung – Warum sich die autonome Kunst nicht vereinnahmen lässt“.