Über einen Beitrag bei Univadis.de wurde ich auf eine interessante Tweet-Serie eines Kollegen aufmerksam: Dr. Rajkumar berichtet über die bemerkenswerte Geschichte (s)eines Patienten mit Multiplen Myelom, Mike Katz, der sich vor 20 Jahren nachdrücklich und letztlich erfolgreich für die Reduktion der bis dahin üblichen hochdosierten Kortisontherapie einsetzte.

Herr Katz war selbst betroffen von der Myelom-Krankheit und engagierte sich Anfang der 2000er Jahre als Patientenvertreter im Myelom-Komitee der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG). In dieser Gruppe werden immer wieder Studien konzipiert und federführend durchgeführt. Zu dieser Zeit war ein fester Bestandteil der Therapie eine hochdosierte Behandlung mit Kortison – mit all den berüchtigten Nebenwirkungen, die man nach üblicher Expertenmeinung aber in Kauf nehmen musste, da hochdosiertes Kortison als wichtiger Baustein für die Myelombehandlung eingeschätzt wurde.
Katz war zuversichtlich, dass im damals gerade anbrechenden Zeitalter der neuen Medikamente eine so hochdosierte Kortisontherapie nicht mehr notwendig ist. Er konnte 2002 auch das Expertengremium der ECOG davon überzeugen, in einer randomisierten Studie die bislang übliche Kortisontherapie mit einer deutlich reduzierten Dosierung zu vergleichen. Die letztlich in ihrer Eindeutigkeit und Klarheit doch überraschenden Ergebnisse dieser Studie wurden 2011 im Fachblatt Lancet Oncology veröffentlicht [4]. Erwartet worden war, dass die reduzierte Kortisongabe bestenfalls kaum schlechter abschnitt … Es zeigte sich jedoch, dass die Reduktion sogar mit dramatischen Verbesserungen selbst im Gesamtüberleben einherging:
Nach einem Jahr waren 96% der Patienten mit niedrigdosiertem Kortison, aber nur 87% mit hoch dosiertem Kortison noch am Leben. Nach zwei Jahren betrug der Überlebens-Unterschied 87% versus 75%. Darüber hinaus konnten viele der schweren Nebenwirkungen und Komplikationen deutlich gelindert werden.
Seitdem gilt die reduzierte Kortisondosis als neuer Standard in der Myelombehandlung, die dank des Einsatzes von Mike Katz also deutlich verbessert werden konnte!
In 2014 wurde Mike Katz von der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) mit dem „Partners in Progress“ Preis ausgezeichnet. Ein Jahr später erlag Herr Katz leider seinem Myelomleiden. In einem Nachruf würdigte Dr. Cavallo, stellvertretend für die ASCO, nochmals das außergewöhnliche Lebenswerk von Katz, das zu einer Verbesserung der Standardtherapie für alle Myelompatienten geführt hat [1]. Auch von Prof. Durie gab es eine bewegende Stellungnahme, stellvertretend für die Internationale Myeloma Stiftung (international myeloma foundation)[2].
In 2016 erhielt Mike Katz posthum den Preis „Myeloma Myeloma Hero Award“, der stellvertretend von seinem Sohn, Jason Katz, in Empfang genommen wurde [3].
Literatur und Quellen:
- 1.Cavallo J (2015) Remembering Multiple Myeloma Patient Advocate Michael S. Katz, MBA. https://ascopost.com/issues/may-25–2015/remembering-multiple-myeloma-patient-advocate-michael-s-katz-mba/. Zugegriffen: 06. April 2021
- 2.Durie B (2015) Remembering Mike Katz, a Very Special Patient Advocate. https://www.myeloma.org/blog/dr-duries/remembering-mike-katz-very-special-patient-advocate. Zugegriffen: 06. April 2021
- 3.Katz J (2016) Jason Katz on His Father’s Love For Helping Others With Multiple Myeloma. https://www.curetoday.com/view/jason-katz-on-his-fathers-love-for-helping-others-with-multiple-myeloma. Zugegriffen: 06. April 2021
- 4.Rajkumar SV, Jacobus S, Callander NS et al (2010) Lenalidomide plus high-dose dexamethasone versus lenalidomide plus low-dose dexamethasone as initial therapy for newly diagnosed multiple myeloma: an open-label randomised controlled trial. The Lancet Oncology:29–37. https://doi.org/10.1016/s1470-2045(09)70284–0