Creation of Adam

Kreationismus und die Feigheit der Lehrer

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48% der US-Amerikaner glau­ben, es sei wis­sen­schaft­lich belegt, dass Gott den Men­schen in sei­ner jet­zi­gen Form geschaf­fen hat. „Wo kom­men wir her – wo gehen wir hin?!“ Fra­gen nach der Her­kunft und dem Sinn des Lebens trei­ben uns schon seit Men­schen­ge­den­ken um; weil wir uns für etwas ganz Beson­de­res hal­ten, ist das alte Tes­ta­ment mit sei­ner ein­fa­chen Erklä­rung beson­ders schmei­chel­haft: Wir sind die Kro­ne der Schöp­fung – von gött­li­cher Hand geschaf­fen, nach­dem der Herr­gott zu unse­rem Wohl­ge­fal­len das Uni­ver­sum und alles Leben dar­in geformt hat­te. Dies alles soll sich nach bibli­scher Aus­le­gung vor cir­ca 6000 Jah­ren abge­spielt haben. Nun glaub­te man in düs­te­rer Vor­zeit an vie­les … und die­ser Glau­be wur­de auch eisern ver­tei­digt – wer gegen die kirch­li­chen Dog­men rede­te, lief nicht sel­ten Gefahr, als Ket­zer auf dem Schei­ter­hau­fen zu landen.

Mit dem Zeit­al­ter der Auf­klä­rung brach zum Glück das Joch der kirch­li­chen Wis­sens­un­ter­drü­ckung und dank der moder­nen Natur­leh­re ent­stand unter ande­rem die wis­sen­schaft­li­che Theo­rie zur Ent­ste­hung der Arten: Charles Dar­win beschrieb hier­in im Jahr 1858 erst­mals Mecha­nis­men der Evo­lu­ti­on, wel­che die bio­lo­gi­sche Diver­si­tät schlüs­sig erklär­ten. Blöd nur, dass hier­durch der gött­li­che Schöp­fer prak­tisch von jetzt auf spä­ter arbeits­los wurde.

Quelle:Wikimedia Com­mons

Da nicht sein kann, was nicht sein darf, stieß die neue Wis­sen­schaft ins­be­son­de­re evan­ge­li­ka­len und fundamental-religiösen Krei­sen sau­er auf. Als Gegen­be­we­gung zur Evo­lu­ti­ons­theo­rie form­te sich als­bald der so genann­te „Krea­tio­nis­mus“, der streng an der bibli­schen Ver­si­on der Ent­ste­hungs­ge­schich­te fest­hält und die Evo­lu­ti­on für schlicht­weg falsch und schäd­lich für das See­len­heil erklärt. Ver­tre­ter der wis­sen­schaft­li­chen Sicht­wei­se wer­den von Krea­tio­nis­ten ger­ne dif­fa­miert, ange­fein­det und als Lüg­ner und Got­tes­läs­te­rer hin­ge­stellt. Wenn dann die Argu­men­te aus­ge­hen, muss auch schon mal Blut flie­ßen1 .

Quelle:unbekannt

Aber in der heu­ti­gen Zeit mit ihrer Mole­ku­lar­bio­lo­gie, Genom­for­schung und moder­nen Archäo­lo­gie kann sich ein sol­cher Irr­glau­be doch nicht hal­ten… denkt man! Doch die bibel­treue krea­tio­nis­ti­sche Bewe­gung in den USA hat offen­bar selbst heu­te noch die biologische(n) Leh­re® an den High-Schools fest in der Hand. Der Krea­tio­nis­mus neue­rer Aus­prä­gung legt sich dabei auch ger­ne das Män­tel­chen der „Wis­sen­schaft­lich­keit“ um2. Ame­ri­ka­ni­sche Krea­tio­nis­ten – ins­be­son­de­re im so genann­ten Bibel­gür­tel im Süden der USA – sind bekannt für eine har­te Gang­art. Sie schre­cken vor gericht­li­chen Aus­ein­an­de­rest­zun­gen nicht zurück und machen auch sonst ihren Ein­fluss ger­ne gel­tend, um „unan­ge­neh­me“ Leh­rer aus dem Schul­dienst zu ent­fer­nen3.

Laut einer im Fach­blatt PLoS Bio­lo­gy ver­öf­fent­lich­ten Stu­die4 gibt es an ame­ri­ka­ni­schen Ober­schu­len noch immer ca. 13% voll­kom­men unver­bes­ser­li­che Leh­rer, die den Kin­dern im Bio­lo­gie­un­ter­richt die bibli­sche Ent­ste­hungs­leh­re als ein­zig gel­ten­de Wahr­heit ver­kau­fen. Dies wäre schon schlimm genug…
Für die Autoren der New York Times5 und auch für mich beson­ders bedrü­ckend ist aber, dass die gro­ße Mehr­heit der Leh­rer, näm­lich 60%, aus Unsi­cher­heit oder Angst vor Repres­sio­nen kei­ne kla­re Stel­lung bezie­hen will. Man­che Päd­ago­gen zie­hen sich lie­ber dar­auf zurück, Krea­tio­nis­mus und Evo­lu­ti­on als „gleich­be­rech­tig­te Model­le“ dar­zu­stel­len; ande­re schrän­ken die Gül­tig­keit der Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie auf die Welt der Mikro­or­ga­nis­men ein, erklä­ren aber ihren Schü­lern, der Mensch sei – klar beleg­bar – von Got­tes Hand geschaf­fen. Je mehr Leh­rer selbst an die krea­tio­nis­ti­schen Ideen glaub­ten, des­to weni­ger Unter­richts­zeit wid­me­ten sie ins­ge­samt der Dar­stel­lung der Evolutionsbiologie.

Statistik
doi:10.1371/journal.pbio.0060124

Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass fast die Hälf­te der Ame­ri­ka­ner es als wis­sen­schaft­lich erwie­sen ansieht, dass Gott den Men­schen in sei­ner jet­zi­gen Form irgend­wann in den letz­ten 10.000 Jah­ren geschaf­fen hat.
Die Autoren des PLoS Bio­lo­gy Arti­kels schlie­ßen dar­aus, dass die bereits bestehen­den Gerichts­ent­schei­de, die das Dar­stel­len des Krea­tio­nis­mus als wis­sen­schaft­li­che Tat­sa­che ver­bie­ten, allei­ne nicht aus­rei­chend sind. Sie emp­feh­len, dass es stren­ge­re Nor­men zur Zulas­sung von Bio­lo­gie­leh­rern geben soll­te. Unsi­che­re Kan­di­da­ten soll­ten durch geziel­te Schu­lun­gen in die Lage ver­setzt wer­den, Glau­ben von Wis­sen zu unterscheiden.

Quellen und Anmerkungen:

  1. ScienceBlogs:Creationist who Kil­led Evo­lu­tio­nist with Kni­fe Gets Light Sen­tence, 14. Dezem­ber 2007
  2. Num­bers, R. (1982). Crea­tio­nism in 20th-century Ame­ri­ca Sci­ence, 218 (4572), 538–544 DOI: 10.1126/science.6750792
  3. Berk­man MB, & Plut­zer E (2011). Sci­ence edu­ca­ti­on. Defea­ting crea­tio­nism in the cour­t­room, but not in the class­room. Sci­ence (New York, N.Y.), 331 (6016), 404–5 PMID: 21273472
  4. Berk­man MB, Pach­eco JS, & Plut­zer E (2008). Evo­lu­ti­on and crea­tio­nism in America’s class­rooms: a natio­nal por­trait. PLoS bio­lo­gy, 6 (5) PMID: 18494560
  5. N. Bak­a­lar: „On Evo­lu­ti­on, Bio­lo­gy Tea­chers Stray From Les­son Plan“, The New York Times, 7.Februar 2011

4 Kommentare

  1. Fas­zi­nie­rend wie vie­le Men­schen bis heu­te noch nicht den Unter­schied zwi­schen Glau­ben und Wis­sen kennen.
    Nicht dass ich behaup­ten wür­de die Evo­lu­ti­ons­theo­rie sei abso­lu­tes Wis­sen, aber wenigs­tens exis­tie­ren hier Bele­ge von denen ich weiß…
    In die­sem Sin­ne: Gott schüt­ze Ame­ri­ke :-P

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