Seit langer Zeit habe ich mich Mal wieder an die Bearbeitung eines astronomischen Fotos gewagt. Welches Motiv könnte sich da besser eignen, als der berühmte Orionnebel?
Als ich vor gut zehn Jahren ernsthaft damit begann, mich mit der Astronomie zu beschäftigen, war eines meiner ersten Zielobjekte eben dieser beeindruckende Emissionsnebel, den man bei dunklem Himmel (auf dem Land) bereits mit bloßem Auge im Gürtel des Sternbildes Orion erahnen kann. Die ganze Farbenpracht offenbart sich natürlich nur mit fotografischen Langzeitaufnahmen und zum Teil Spezialfiltern für enge Lichtspektren.
Seit meinem Umzug nach Britzingen war es mir bisher leider nicht mehr möglich, nachts nach draußen zu gehen, um den Himmel selbst abzulichten. Um aber dennoch nicht ganz aus der Übung zu kommen, hatte ich diese Woche die Idee, Rohdaten anderer (Hobby-)Astronomen als Grundlage für meine Bildbearbeitung zu verwenden. Tatsächlich stellen einige Astronomen diese Daten im Netz zur Verfügung, teilweise mit Dateigrößen von mehreren Gigabyte.
Meine Aufgabe bei der Bildbearbeitung ist es, aus den Einzelaufnahmen vom Teleskop ein Summenbild zu errechnen, Darstellungsprobleme wie Unschärfen, Verzerrungen, Rauschen, Gradienten und Vignettierung auszugleichen und die Farben der Himmelsobjekte möglichst ohne Verfälschungen und Informationsverlust gut in Szene zu setzen. Dabei gilt, natürlich, je besser die Rohdaten sind, desto einfacher ist mein Job. Anbei ein erstes Ergebnis dieser ‚Fingerübungen‘. Die ganz hervorragenden Rohdaten hierfür (insgesamt ca. 800mb an Material) lieferte Kayron Mercieca, ein Physiklehrer und Astronom aus Gibraltar. Nähere Angaben zur verwendeten Aufnahmetechnik und zu den Einzelbildern finden Sie auf der Medienseite des Bildes.

Bearbeitungsschritte
Für die Bearbeitung wurden die zu Verfügung gestellten Summenbilder der Farbkanäle Rot, Grün und Blau gemischt und ergänzt durch Aufnahmen, die mithilfe spezieller Filter gemacht wurden: für Helium alpha (ergänzt das Farbspektrum rot-magenta) und Oxygen III (grün-cyan). Zur Verbesserung der feinen Details und als Basis für die Farbintensität diente ein hochwertiges so genanntes Luminanzbild in Graustufen.
Das Pre-Processing und Stacking der Bilder, sowie der Farbausgleich und Anpassung der Intensitätskurven erfolgte in AstroArt 7. Da ich es mit sehr gutem Ausgangsmaterial zu tun hatte, war sonst nicht viel zu tun. Lediglich eine kleine Strichspur (vermutlich von einem vorbeiziehenden Satelliten) musste ich retuschieren. Sicher könnte ein Profi den Hintergrund noch besser bearbeiten (z.B. dunkler machen) und die Sterne besser abrunden, aber darauf habe ich bislang verzichtet. Die Bild-Nachbearbeitung und Finalisierung, z.B. zur Verbesserung des lokalen Kontrasts, Verminderung der Farbsäume etc. habe ich mit der Software Darktable vorgenommen. Insgesamt habe ich ca. 6 Stunden für die Fertigstellung dieses Bildes benötigt.