Das Universum riecht ziemlich nach einem NASCAR-Rennen – eine Mischung aus heißem Metall, Benzindämpfen und Barbecue! Die dafür verantwortlichen polyzyklischen aromatischen Verbindungen sind das Nebenprodukt unvollständiger Verbrennungsvorgänge in sterbenden Sternen oder auch in Wolken der Sternenentstehung. Diese Moleküle scheinen überall im Universum zu existieren, so Louis Allamandola, der Gründer des astrophysischen und astrochemischen Labors im NASA Ames Forschungzentrum gegenüber dem PopSci-Magazin1.
Diese Hydrocarbonate, welche auch in Kometen, Meteoren und Sternenstaub vorkommen, sind möglicherweise sogar für die Entstehung des Lebens auf der Erde verantwortlich. Unser Sonnensystem ist laut Allamandola besonders reichhaltig an Düften. Aufgrund des hohen Kohlenstoffgehaltes und des niedrigen Sauerstoffanteils sei es bei uns wie mit einem Auto: „wenn man dem den Sauerstoff entzieht, sieht man auch schwarzen Rauch und bekommt einen üblen Geruch“. Sauerstoffreiche Sternsysteme würden eher nach einem guten Holzkohlegrill riechen. Außerhalb unserer Milchstraße reichen die Dufteindrücke von zuckersüß bis zum schwefeligen Gestank nach faulen Eiern. Astronauten der ISS, die von einem Weltraumspaziergang zurückkehrten, bemerkten an ihren Raumanzügen einen seltsamen verbrannten Geruch, fast wie ein „gebratenes Steak“; dieser von den am Anzug anhaftenden interstellaren Stoffen stammende Geruch sei so spezifisch, dass die NASA vor drei Jahren an den Duftdesigner Steven Pearce herangetreten ist, um einen ähnlichen Duft für das Astronautentraining zu kreieren, was Pearce gegenüber PopSci bestätigte: „Kürzlich haben wir den Duft des Mondes hergestellt“ – „Astronauten verglichen ihn mit verbranntem Schießpulver“. Wer nun aber einen Ausflug ins All plant, um selbst eine Nasevoll Duft zu nehmen, der braucht stabile Nasennebenhöhlen: aufgrund des Vakuums im erdnahen Weltraum dürfte ein solches Unterfangen ziemlich ungesund sein ;) Man könnte sich allerdings zum Spottpreis von 135.000 Euro ein Ticket im SpaceShip Two buchen23. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe werden übrigens durch UV-Strahlen zum Leuchten angeregt. Sie emmitieren ihre Strahlung im Infrarotbereich und können daher besonders gut von dem in 2003 gestarteten Weltraumteleskop Spitzer dargestellt werden (siehe obiges Foto unserer Milchstraße).
Quellen und Anmerkungen:
- L Schiffman: „FYI: What Does Space Smell Like“, PopSci 08.02.2011↑
- „330 Tickets für SpaceShipTwo gebucht“. NZZ Online, 27.September 2010↑
- Private Weltraumflüge: Milliardär Branson enthüllt sein „SpaceShipTwo“, Spiegel Online, 08.12.2009↑
