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Entscheidungskonflikte in der Onkologie

In Kooperation mit dem NCT Heidelberg und dem Institut für Medizinische Psychologie lädt die Innere Medizin V einmal monatlich in den Hörsaal der Medizinischen Klinik in Heidelberg. Am gestrigen Mittwoch wurde bereits zum 19. Mal kontrovers über die ethischen, moralischen und klinischen Grenzbereiche diskutiert, denen onkologisch tätige Menschen jeden Tag begegnen.

Quelle (von Wikimedia Commons): National Cancer Institute. Lizenz: Public Domain.

In den aktuell von Mitarbeitern der Dermatologischen Abteilung des NCT vorbereiteten Veranstaltung wurden zunächst die aktuellen Fortschritte in der Behandlung des Malignen Melanoms vorgestellt, insbesondere die erst seit kurzem verfügbaren „Hoffnungsträger“ der zielgerichteten Therapie (z.B. BRAF-Inhibitoren, Ipilimumab, Lenvatinib etc.). Im Anschluss wurden exemplarisch zwei Patientenfälle zur Diskussion gestellt: Beide Patienten waren zu Behandlungsbeginn todkrank mit weit fortgeschrittenem malignen Melanom, beide erhielten eines der neuen Medikamente, die nach vorläufigen Erkenntnissen keine Heilung, aber eine Verlängerung des Überlebens um einige Monate erlauben. In einem Fall konnte durch den Behandlungsversuch eine erstaunliche und bis heute anhaltende Besserung erreicht werden.
Im zweiten vorgestellten Fallbeispiel wurde buchstäblich in letzter Minute eine schon organisierte palliative Versorgung in einem Hospiz aufgegeben, um die Behandlung mit ungewissem Ausgang durchzuführen – eine Situation, die belastend für alle Beteiligten war – vor allem für die Familie des Patienten – und  die auch zu Konflikten bei den beteiligten Ärzten und Pflegekräften führte. Zu allem Unglück schlug die Therapie auch nicht an, so dass der Patient bald darauf verstarb – aber eben nicht im „behüteten“ Umfeld eines Hospiz, sondern vermutlich so, wie man seine letzten Minuten eigentlich nicht verbringen möchte…

Es wurde bemerkt, dass der Konflikt im zweiten Fall vor allem aus der Dichotomie von Palliation versus erneuter Therapieversuch entstanden war, zwei in unserem Alltag meist als gegensätzlich empfundene Standpunkte. Die lebhafte Diskussion im Plenum spitzte sich letztendlich auf die Frage zu, ob man neue/experimentelle/innovative Therapien immer und für jeden Patienten anbieten darf/soll. Verständlicher Weise konnte der Punkt im Rahmen der einstündigen Veranstaltung nicht abschließend geklärt werden.

Ich möchte das Thema gerne hier in der Kommentarsektion auch zur Diskussion stellen und freue mich auf Ihre Beiträge!

 

0 Kommentare  | 21. Mrz 2013  | Krebs, Medizin, Veranstaltung  | 5.736x gelesen
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